Die Frage, ob künstliche Intelligenz (KI) den menschlichen Onlinetexter obsolet macht, beschäftigt Marketingabteilungen und Freelancer gleichermaßen. Die Antwort ist differenziert: KI-Tools haben die Produktion von Standardtexten revolutioniert und übernehmen zunehmend Routinetasks, doch sie stoßen dort an unüberwindbare Grenzen, wo es um echte Kreativität, strategische Tiefe und emotionale Resonanz geht. Der Beruf des Texters verschwindet nicht, er wandelt sich jedoch fundamental vom reinen Verfasser zum strategischen Editor und Kurator.
Die Stärken der KI.Tools: Effizienz und Skalierbarkeit
Moderne Large Language Models (LLMs) sind unschlagbar, wenn es um Geschwindigkeit und Volumen geht. Für Produktbeschreibungen in großen Shops, einfache SEO-Texte mit klaren Keyword-Vorgaben oder die Zusammenfassung von Faktenmaterial liefern KI-Tools in Sekunden Ergebnisse, für die ein Mensch Minuten oder Stunden bräuchte. Sie ermüden nicht, halten konsistent den Tonfall ein, sofern dieser klar definiert ist, und beherrschen die Grammatik zahlreicher Sprachen fehlerfrei. In Bereichen, in denen es primär um die Verfügbarkeit von Informationen und weniger um eine einzigartige Markenstimme geht, ist die KI dem Menschen bereits heute überlegen. Sie dient als hervorragender „First Draft“-Generator, der die leere Seite füllt und dem Texter eine Basis zur Weiterbearbeitung bietet.
Die unüberwindbaren Grenzen: Kontext, Empathie und Strategie
Trotz dieser Fortschritte bleibt die KI ein statistisches Modell, das Wahrscheinlichkeiten berechnet, aber kein Verständnis für die Welt besitzt. Hier liegen die entscheidenden Grenzen:
Fehlende echte Empathie und Erfahrung: KI kann Emotionen simulieren, aber nicht fühlen. Sie schreibt über Schmerz, Freude oder Frust nur basierend auf Mustern in ihren Trainingsdaten. Ein menschlicher Texter hingegen schöpft aus eigener Lebenserfahrung. Wenn es darum geht, eine Marke authentisch mit einer spezifischen Zielgruppe zu verbinden, Vertrauen aufzubauen oder komplexe gesellschaftliche Diskurse sensibel zu begleiten, fehlt der KI die notwendige Tiefe. Sie weiß nicht, was es heißt, Kunde zu sein.
Mangel an strategischem Weitblick: Ein guter Text ist nie Selbstzweck, sondern Teil einer größeren Marketingstrategie. Menschliche Texter verstehen die Nuancen einer Markenpositionierung, erkennen politische oder kulturelle Fallstricke, die in den Trainingsdaten der KI vielleicht unterrepräsentiert sind, und können Texte gezielt einsetzen, um spezifische Geschäftsziele zu erreichen. KI folgt Anweisungen, aber sie entwickelt keine Strategie.
Originalität und „Halluzinationen“: Da KI auf existierenden Daten trainiert ist, neigt sie dazu, Bekanntes neu zu kombinieren, anstatt wirklich Neues zu erschaffen. Für Marken, die sich durch eine einzigartige Stimme vom Wettbewerb abheben wollen, ist das oft zu wenig. Zudem besteht das Risiko von „Halluzinationen“ – das Erfinden von Fakten –, was eine sorgfältige menschliche Faktenprüfung (Fact-Checking) zwingend erforderlich macht.

In der heutigen Zeit sind Textarbeiten ohne die Hilde von KI-Tools kaum noch vorstellbar. Aufgrund der auftretenden Schwächen eignen sie sich jedoch nicht besonders gut, um die Arbeit der Onlinetexter überflüssig zu machen.
KI-Tools im praktischen Einsatz
Mit solchen modernen Tools lassen sich lange Texte in wenigen Sekunden erstellen. Allerdings eignen sie sich nicht so ohne Weiteres, um sie im Internet auf Webseiten zu veröffentlichen. Aus eigener Erfahrung kann ich behaupten, dass die KI-Tools, die ich bisher ausprobiert habe, keinen besonders ansprechenden Schreibstil verwendeten. Eines dieser Tools verwendet in jedem zweiten Satz ein Semikolon. Diese Satzzeichen spielen eigentlich in der modernen Texterstellung keine Rolle mehr. Früher wurden sie gerne in literarischen Werken zur speziellen Verknüpfung von Sätzen verwendet. Andere Tools gestalten endlos wirkende Bandwurmsätze, in denen viele Aussagen durch verschachtelte Schreibweise verknüpft werden. Diese lesen sich fast so wie Romane von Hermann Löns. Diese Art der Texterstellung eignet sich insbesondere als Einschlaflektüre aber nicht zur Übermittlung von wichtigen Informationen und schon gar nicht, um die Seitenbesucher zum Kauf zu animieren.
Trotzdem sind KI-Systeme eine enorme hilfe bei der Texterstellung. Sie sparen dem Texter eine Menge Zeit bei der Recherche, weil wichtige Daten und Fakten kurzerhand zusammengeführt werden. Oftmals bieten sie dem Onlinetexter auch Inspiration, wenn er nicht genau weiß, wie er einen ansprechenden Einstieg in den Text findet. Deshalb sollten Texter die neuen KI-Tools nicht unbedingt als Konkurrenten ihrer Arbeit ansehen, sondern vielmehr als praktische Hilfsmittel.
Fazit: Vom Ersatz zur Symbiose
KI wird den Onlinetexter nicht ersetzen, aber den Texter ersetzen, der keine KI nutzt. Die Zukunft liegt in der symbiotischen Zusammenarbeit: Die KI übernimmt die schwere Arbeit des Recherchierens, Strukturierens und Erstentwerfens, während der menschliche Texter seine Energie auf das verlegt, was ihn einzigartig macht – Strategie, Kreativität, emotionale Aufladung und die finale Qualitätssicherung. Der Wert des Texters verschiebt sich somit von der reinen Wortproduktion hin zur intellektuellen Leistung des Kuratierens, Verfeinerns und strategischen Einbettens von Inhalten. Wer diese Rolle annimmt, wird durch KI nicht bedroht, sondern massiv produktiver.
